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КАРЛ АЙМЕРМАХЕР: НОВАЯ ВЫСТАВКА

0003 ноября – в библиотеке Рурского университета в Бохуме открылась выставка "Без защиты -- под защитой" члена Международного Совета Ассоциации, профессора Карла Аймермахера.
Все произведения, по его словам, должны рассматриваться в комплексе и требуют образного восприятия зрителем. Изображение жестокости всегда далеко от реальности, но в искусстве (в отличие от телевидения) оно каждый раз требует заново переживать и осознавать представленные символы. Название выставки — «Без защиты — под защитой» — является отсылкой к дихотомии двух базовых принципов, двух сил, которые присутствуют во всех закрытых системах природы и человеческой культуры.

 Austellung „Ungeschützt – Geschützt“ in der UB – Bochum.
Vernissage 3. Nov. 2015
 
Meine Damen und Herren, liebe Freunde!
 
Ich bedauere sehr, dass ich in letzter Minute meine heutige Ausstellungseröffnung aus persönlichen Gründen absagen musste. Und dabei habe ich sie selbst noch nicht in ihrer Bochumer Variante gesehen...

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Von 10 vorgesehenen Arbeiten werden heute allerdings nur 9 Foto-Assemblagen gezeigt. Eine große Skulptur fehlt. Sie sollte in der Mitte des Halbrunds auf dem Boden liegen. 3 Meter mal 4 Meter. Aus einer unregelmäßig gewellten Grundform sollte in der Mitte eine Kugel herausragen. Die gesamte Bodenskulptur ist gleichmäßig in Rot getaucht, wirkt ruhig und dynamisch zugleich. Sie symbolisiert pulsierendes Leben mit der Assoziation entstehenden Lebens. Die Abbildung eines Modells findet sich auf dem Flyer zur Ausstellung im Gulag-Museum.
Diese Skulptur zu realisieren und nach Bochum zu transportieren, ging jedoch über meine Kräfte!

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In Moskau wurden die Foto-Assemblagen schon einmal 2013 gezeigt, und zwar im Museum für die Geschichte des Gulags. Im Mittelpunkt dieser Moskauer Ausstellung standen unregelmäßig übereinander gestapelte Koffer, deren oberster sich dadurch von den anderen abhob, dass aus ihm an beiden Seiten in einer dramatischen Geste Hände herausragten, die das Leiden von Menschen als unsäglichen Schrei anschaulich symboliseren sollte.

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In Moskau erinnert der Koffer natürlich fast nur an den Gulag, in Deutschland wäre es dagegen der Holocaust, an den man denkt, und in Armenien würde er beispielsweise für Genozid stehen. Sie sehen, dass ein so beschriebener Koffer je nach Ambiente oder Kontext unterschiedlich konkret verstanden werden kann. Er ist eben ein Symbol, das auf sehr verschiedene Situationen hindeutet, nie aber die Bedeutung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit verliert.

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Was ich eben über die Bodenskulptur und den Koffer angedeutet habe, gilt natürlich auch für die einzelnen Foto-Assemblagen, aber auch für ihr Gesamtensemble.
 
Im Vorfeld zu der Ausstellung wurden in Bezug auf das Plakat mit der zerschlagenen Brille folgendes bemerkt: Der Kopf mit der zerschlagenen Brille wirke beinahe schon zu aggressiv, weil er aufgrund ähnlicher Bilder von konkreten Personen wie etwa Isaak Babel bereits auf den Tod der dargestellten Person hindeute. Unklar seien allerdings die Metallgirlanden am oberen und unteren Bildrand.

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Diese Bemerkungen geben mir die Möglichkeit, etwas zu der Machart der Foto-Assemblagen zu sagen. Ich tue das gerne, weil ich dann von mir aus nichts weiter über die Aussagen der einzelnen Arbeiten sagen muss (ein Künstler soll sich eben nicht selbst interpretieren, der Betrachter der Arbeiten muss selbst mit ihnen fertig werden!).

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Alle Foto-Assemblagen sind unabhängig von ihrer Aussage formal nach einem einfachen Rezept gestaltet.
1. Ein Foto wird kombiniert mit einem Stück Metall oder einem anderen Gegenstand, z. B. einer kleinen Puppe. Die Gegenstände sind unterschiedlich und stammen aus sehr verschiedenen Bereichen.
2. Das Foto bildet eine Situation unserer Erfahrungswelt ab, die in der Regel fast immer eindeutig identifiziert werden kann.

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Man weiß: Dargestellte Gegenstände gehören im Alltagsverständnis zu bestimmten Gegenständen unsere Erfahrungswelt. Gleichzeitig weiss man, dass in der Kunst dargestellte Gegenstände Zeichen sind, die zusätzliche Bedeutungen haben, die ein Künstler für seine eigenen Intentionen nutzen kann. Solche Zeichen können zwar auf Wirklichkeitszusammenhänge direkt verweisen, allerdings werden sie – wie die Geschichte der Kunst zeigt – in dieser Form nur sehr selten genutzt. Vielmehr werden sie transformiert und können dann auf neue Sachverhalte verweisen. Und je nach Art ihrer Transformation erzeugen sie Sinn, einen neuen Sinn oder ein Symbol, das nicht nur für eine einzige Sache steht, sondern abhängig vom Betrachter neue Sinnzusammenhänge zu erzeugen in der Lage ist.

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Sie merken sicher schon, worauf ich hinaus will: Mir geht es nicht um punktuelle Rezeptionen, sondern um komplexe, wobei Symbole eine zentrale Rolle spielen. So ist es auch mit dem Plakat hier. Und wenn es dabei wegen seiner Brutalität abstoßend wirkt, dann ist das gut. Das ist meine Absicht. Die ausgedrückte, unerträglich wirkende Brutalität bleibt weit hinter der Realität zurück, die durch Kunst nicht eingeholt werden kann. Auch Dokumentationen im Fernsehen oder Zeitungen sind nur Verweise auf Brutalität. Allerdings stumpft ihre ständige Wiederholung im Fernsehen schnell ab und verliert dadurch ihre Funkton.

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Brutalität in der Kunst ist dagegen immer provokativ, denn man soll sich ihrer immer wieder neu bewusst werden und bewusst bleiben.
 
 
Zurück zur Ausstellung, in deren eigentlichem Zentrum wir uns trotz der rhetorischen Abstecher bereits von Anfang an befinden.
 
Was ich bisher andeuten wollte, ist Folgendes: Die Foto-Inhalte ändern sich durch ihre Kombination mit Gegenständen, deren Positionierung und unsere Sichtweise auf sie. Dadurch ergibt sich ein Mehr an Bild-Zeichen und damit auch eine Potenzierung der möglichen Aussage der Foto-Assemblagen, die konzeptionell unter dem Motto von „Ungeschützt – Geschützt“ steht. Fotos und Gegenstände sind aufeinander bezogen und müssen daher auch in dieser Konstellation verstanden werden, wobei jedem die Freiheit der Interpretation gelassen wird.
Die letztlich nicht zu Ende führbare Eindeutigkeit des Zusammenhangs lässt ein Quantum von Uneindeutigkeit bzw. Verschwommenheit übrig, die ihrerseits die Voraussetzung dafür ist, dass jeder etwas für sich finden und verstehen kann oder was ihn berührt. Entscheidend ist dabei der in der Foto-Assemblage angelegte Assotiationsspielraum.

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Dazu einige Beispiele:
 
1. Die Puppe im zerfurchten Matsch: Die Puppe kann als Puppe verstanden werden, und zwar als Puppe, die verloren oder fortgeworfen wurde. Die Puppe kann auch als Kind, und damit als Symbol verstanden werden. Das Kind wirkt dann in seiner Nacktheit ungeschützt und vernichtet.
 
3. Der Panzer. Eine Frage ist zunächst, aus welcher Armee stammt der Panzer. Ist es ein amerikanischer, ein deutscher, französischer oder russischer? Die aggressive Pose des Panzerdetails lässt jedoch diese Frage in den Hintergrund treten. Die aggressive Geste des Fotos steht im Vordergrund. Alles läuft auf das Verhältnis von „Ungeschützt – Geschützt“ hinaus, wobei das hinter dem Panzer durchscheinende Grün von Blättern und Gräsern an Frieden, Natur usw., also nicht an Krieg denken lässt. Eingefangen sind hier also gleich drei Kontexte, die alle aufeinander bezogen sind.
4. Nun zur Ruine mit der – ich nenne es einmal – ‚Blutblase’. Was man sieht ist offensichtlich: Man sieht ein Ruinenfragment mit rot gefärbtem Bauschaum. Man assoziert Blut, also eine blutende Ruine. Die Gesamtsituation deutet auf Ungeschützheit, Zerstörung hin. Der zugemauerte Teil zeigt den Versuch einer Reparatur, die wiederum ‚Schutz’ andeutet.

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An dieser Stelle will ich aufdecken, wovon ich für die eben angedeutete allgemeine Situation selbst ausgegangen bin.
 
Ich besuchte mit meiner Frau 2012 das Schloss Gatschina bei Petersburg, wo genau die heute in Bochum gezeigte Ausstellung zunächst stattfinden sollte. Der Plan hatte sich dann allerdings zerschlagen. Dort machte ich Aufnahmen in der riesigen Empfangsvorhalle, einer Art Wartezimmer für Audienzen bei Zar Paul I. Diese Halle war künstlerisch prächtig ausgestattet und sollte offensichtlich Besucher durch Größe und die dargestellten Seeschlachtszenen beeindrucken. Die groß angelegten Malereien illustrierten die sensationell erfolgreiche Seeschlacht der Russen über die damals als unschlagbar geltende türkische Armada bei Česme. Die Bilder stammten vom damals berühmtesten und teuersten Landschaftsmaler, dem Deutschen Jacob Phillipp Hacker (1737 – 1807) der übrigens zufällig auch der Zeichenlehrer von Goethe in Palermo war (Hackert hielt allerdings Goethe für unbegabt auf diesem Gebiet).
 
– Das Schloss Gatschina war im 2. Weltkrieg das Hauptquartier der Deutschen bei der Belagerung von Leningrad und war nach Generalobert Lindemann während dieser Zeit in Lindemann-Stadt umbenannt worden. Beim Rückzug der Deutschen wurde das Schloss total verwüstet zurückgelassen. Große Teile sind auch heute nicht restauriert. Ein Detail des sog. ‚Wartezimmers’ ist die Aufnahme mit der sog. ‚Blutblase’.
– Die Dramatik der Geschichte des Schlosses, auch im Verhältnis von Deutschen und Russen, habe ich durch das aufgesetzte, unstrukturierte und aggressive Rot assoziierbar zu machen versucht.
 
Ein realer Blutstrophen wäre jedoch noch adäquater gewesen...
 
 
Nochmals zurück zu der Gattung der Foto-Assemblage:
 
Mir ging es nicht um die einzelne Foto-Assemblage für sich, sondern darum, dass alle neun Arbeiten zusammen mit dem hier fehlenden Bodenobjekt ein Konzept bilden. Dieses Konzept entsteht aus allen Assoziationsräumen der einzelnen Assemblagen. Und erst ihre Gesamtheit ergibt einen allgemeinen Sinn-Zusammenhang.
 
Also: Das Sinn-Ganze kann nur das Ergebnis eines ständigen Suchens von Bedeutungen sein, ausgehend von unterschiedlichsten Details.
 
Man kann daher von einer Explosion eines Bedeutungs- und Sinnpotentials sprechen, das sich nur langsam ergibt und bei jedem anders aussieht.
 
Ich selbst muss daher auch nicht lang und breit von diesem Sinnpotential sprechen und erklären, worin die möglichen Assoziationen bestehen, die es erzeugen.
 
Also: Über das, was ich zur Konzeption im Flyer angedeutet habe, will ich daher hier nicht hinausgehen.
 
Das dort Ausgeführte deutet eine Verstehensrichtung an. Sie beruht auf der Erfahrung, dass es in geschlossenen Zusammenhängen oder Systemen, also etwa in den Zellen von Pflanzen, von Lebewesen, in ökologischen Systemen, aber auch in der Literatur, in der Kunst, im Film, im Drama, ja auch in der Kultur usw. usf. immer zwei Grundprinzipien, zwei Kräfte gibt, die auf das Spannungsverhältnis von Ungeschützt-Geschützt zurückgeführt werden können und die wie ein nicht mehr hinterfragbares Prinzip überall sichtbar wird.
 
Und jetzt zum Schluss nochmals eine Bemerkung zur Wirkung dieser Ausstellung im Moskauer Gulag-Museum 2013.
 
Die 11. Klasse eines Gymnasiums wurde in die Ausstellung geführt.
Ohne Einführung durch Lehrer oder Museumsführer. Die Schüler kannten nur den Text im Flyer und sahen zum ersten Mal die Exponate.
 
Dann wurden sie aufgefordert, einen schriftlichen Bericht in Form eines Aufsatzes zu schreiben. Die Stimmen fielen formal und inhaltlich sehr unterschiedlich aus. Sie bestätigten mir, dass die Schüler nicht von einem Lehrer vorher oder nachher ‚indoktriniert’ worden sind.
 
Eine Stimme, die sich nicht auf den Koffer als Symbol für den Abtransport ins Lager bezog, sondern allgemeiner Art war, will ich sinngemäß zitieren.
 
 „Wenn ich schon im Leben und in den Medien ständig mit Krieg und Zerstörung konfrontiert werde, dann kann ich diese Kunst kaum ertragen. Wir scheinen offenbar nicht aus dem immer wiederkehrenden Prozess von Vernichtung und Schutzversuch heraus zu kommen und verlieren dadurch jeden Mut zum Leben.“
 
Es fehlte der Schülerin, um die es hier ging, jede Hoffnung auf eine würdige Zukunft.
 
Ich danke nochmals, und diesmal konktret Frau Dr. Lapp und Frau Ogasa für diese Ausstellung in der UB Bochum. Und als materiellen Dank schenke ich vier der ausgestellen Foto-Assemblagen dieser großartigen Bibliothek!

 

tpp

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